Ratten im Haus erkennen & richtig bekämpfen
Rattenkot, Nagespuren an Kabeln, merkwürdige Geräusche in der Wand – Rattenbefall ist nicht nur unangenehm, sondern auch ein Gesundheitsrisiko. In diesem Ratgeber erklärt IHK-Kammerjäger Peter Böckle, wie Sie Ratten zuverlässig erkennen, was Sie sofort tun sollten und wann professionelle Hilfe nötig ist.
Peter Böckle
IHK-geprüfter Schädlingsbekämpfer · Aktualisiert: Dezember 2025
1. Typische Anzeichen für Ratten im Haus
Ratten sind nachtaktiv und extrem scheue Tiere. Die meisten Betroffenen sehen nie eine lebende Ratte – erkennen den Befall aber an diesen Spuren:
🔍 Rattenkot
Spindelförmig, 1–2 cm lang, dunkelbraun bis schwarz. Bei frischem Befall glänzend-feucht. Wanderratten hinterlassen ca. 40 Kotballen pro Nacht, verteilt entlang ihrer Laufwege.
🔍 Nagespuren
Ratten müssen ständig nagen (ihre Schneidezähne wachsen lebenslang 1–2 mm pro Woche). Typisch: Fraßspuren an Kabeln, Holz, Kunststoff und Verpackungen. Die Zahnabdrücke sind ca. 4 mm breit.
🔍 Schmierspuren (Laufwege)
Ratten nutzen immer dieselben Wege. Ihr fettiges Fell hinterlässt dunkle Schmierstreifen an Wänden, Rohren und Balken. Besonders an Engstellen gut sichtbar.
🔍 Geräusche
Kratzen, Scharren und Trippeln in Wänden, Decken und unter Fußböden – besonders nachts. Ratten sind zwischen 22 und 4 Uhr am aktivsten.
🔍 Geruch
Stechend ammoniakartiger Geruch durch Urin, besonders in geschlossenen Räumen (Keller, Dachboden). Bei großem Befall auch süßlich-faulig (verendete Tiere).
2. Welche Ratten gibt es in Deutschland?
In Deutschland kommen zwei Rattenarten vor:
Wanderratte (Rattus norvegicus)
- • Körper: 20–26 cm, Schwanz: 17–22 cm
- • Gewicht: 250–500 g
- • Lebt bevorzugt in Kanälen, Kellern, Erdbauten
- • Hervorragende Schwimmerin (gelangt durch Toiletten ins Haus)
- • Häufigste Art in deutschen Städten (ca. 95% aller Befälle)
Hausratte (Rattus rattus)
- • Körper: 16–22 cm, Schwanz: länger als Körper
- • Gewicht: 150–250 g
- • Klettert ausgezeichnet (Dachböden, obere Stockwerke)
- • In Deutschland selten und regional begrenzt
- • Steht auf der Roten Liste (gefährdet)
3. Gesundheitsrisiken durch Rattenbefall
Ratten zählen nach dem Infektionsschutzgesetz (§ 18 IfSG) zu den Gesundheitsschädlingen. Sie können über 70 Krankheiten auf den Menschen übertragen:
- ⚠️Leptospirose (Weil'sche Krankheit) – über Rattenurin, potenziell tödlich
- ⚠️Hantavirus – über Kot und Urin, grippeähnlich bis Nierenversagen
- ⚠️Salmonellose – durch kontaminierte Lebensmittel
- ⚠️Rattenbissfieber – durch Bisse oder Kratzer
- ⚠️Parasiten – Rattenflöhe, Zecken und Milben befallen auch Menschen und Haustiere
⚠️ Wichtig: Rattenkot nie ohne Schutz entfernen
Trockener Rattenkot kann Hantaviren als Staub freisetzen. Tragen Sie beim Entfernen immer Handschuhe und eine FFP2-Maske. Befeuchten Sie den Kot vorher mit Desinfektionsmittel.
4. Sofortmaßnahmen bei Rattenbefall
- 1
Nahrungsquellen entfernen
Lebensmittel in verschließbare Behälter, Tierfutter nicht stehen lassen, Biomüll fest verschließen.
- 2
Zugangswege identifizieren
Spalten ab 2 cm, defekte Abflussrohre, offene Kellerfenster, Kabelschächte prüfen.
- 3
Befall dokumentieren
Fotos von Kotspuren, Nagespuren und Laufwegen machen – hilft dem Kammerjäger bei der Befundaufnahme.
- 4
Kammerjäger kontaktieren
Ein einzelner Rattenbefall deutet fast immer auf eine Kolonie hin. Professionelle Befundaufnahme ist entscheidend.
- 5
Gesundheitsamt informieren
Ratten sind meldepflichtig nach § 18 IfSG. Als Mieter zusätzlich den Vermieter benachrichtigen.
5. Hausmittel gegen Ratten – was funktioniert wirklich?
Im Internet kursieren zahlreiche Hausmittel. Als Kammerjäger mit über 20 Jahren Erfahrung muss ich ehrlich sein: Die meisten Hausmittel wirken bei Ratten nicht.
Ultraschall-Geräte
Studien zeigen keine nachhaltige Wirkung. Ratten gewöhnen sich innerhalb von Tagen an die Frequenz.
Pfefferminzöl / Essig
Mag einzelne Ratten kurzzeitig abschrecken, vertreibt aber keine Kolonie.
Backpulver / Gips
Gefährlicher Mythos. Ratten sind neophob (meiden Neues) und nehmen es selten an.
Schlagfallen (als Ergänzung)
Klassische Rattenfallen können einzelne Tiere fangen. Für Kolonien aber unzureichend. Richtige Platzierung ist entscheidend.
6. Professionelle Rattenbekämpfung – Methoden & Ablauf
Ein professioneller Kammerjäger arbeitet nach dem IPM-Prinzip (Integrated Pest Management):
Phase 1: Befundaufnahme & Inspektion
Identifikation der Rattenart, Befallsstärke, Laufwege, Zugangspunkte und Nistplätze. Bei uns mit Endoskop-Kamera für Hohlräume und Kanäle.
Phase 2: Bekämpfungsplan
Individueller Plan mit Köderstationen (manipulationssicher, für Kinder und Haustiere ungefährlich), Schlagfallen und ggf. Gebäudeabdichtung.
Phase 3: Aktive Bekämpfung
Strategische Platzierung von Köderstationen entlang der Laufwege. Verwendung von Antikoagulanzien der 2. Generation oder mechanischen Fallen. Regelmäßige Kontrolle alle 3–5 Tage.
Phase 4: Monitoring & Prävention
Erfolgskontrolle nach 2–4 Wochen. Abdichtung aller identifizierten Zugangspunkte. Empfehlungen zur langfristigen Prävention.
7. Was kostet eine Rattenbekämpfung?
| Leistung | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Erstbesuch & Befundaufnahme | 80–120 € |
| Leichter Befall (1–3 Köderstationen) | 150–300 € |
| Mittlerer Befall (Monitoring 4 Wochen) | 300–500 € |
| Starker Befall (inkl. Gebäudeabdichtung) | 500–800 € |
| Rattenklappe Kanalisation (Material + Einbau) | 250–400 € |
* Richtwerte inkl. MwSt. Exakte Kosten nach kostenloser Erstberatung. Stand: 2025
8. Ratten vorbeugen: 5 Maßnahmen für langfristigen Schutz
Gebäude abdichten
Alle Öffnungen ab 2 cm verschließen: Stahlwolle + Mörtel für Spalten, Drahtgitter für Lüftungen, Rattenklappen in Abflussrohren.
Nahrungsquellen eliminieren
Biomüll, Kompost und Tierfutter fest verschließen. Fallobst aufsammeln. Vogelfutter nur in rattensicheren Stationen.
Keine Essensreste in der Toilette
Essensreste in der Kanalisation locken Wanderratten an und öffnen ihnen den Weg ins Gebäude.
Ordnung im Keller und Garten
Gerümpel, Holzstapel und dichte Hecken direkt am Haus bieten Ratten Deckung. Mindestens 50 cm Abstand zur Fassade.
Regelmäßige Inspektion
Mindestens vierteljährlich Keller, Dachboden und Außenbereich auf Nagespuren und Kotpillen kontrollieren.